Den Klimawandel ins öffentliche Bewusstsein gebracht

Der Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis geht in diesem Jahr an zwei Preisträger: an Werner Eckert, Redaktionsleiter beim SWR, und an Fridays for Future Konstanz.

Der Gerhard-Thielcke-Preis ist heute (3.1.2020) bei den 44. Naturschutztagen am Bodensee an den SWR-Redakteur Werner Eckert und an die Fridays for Future-Gruppe Konstanz verliehen worden. Damit zeichnete der BUND Baden-Württemberg bereits zum elften Mal Natur- und Umweltschützer aus. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird seit dem Jahr 2006 durch den BUND-Landesvorstand vergeben.

Radolfzell. „Werner Eckert gehört zu den qualifiziertesten Umweltjournalisten in der deutschen Medienlandschaft“, erklärt Brigitte Dahlbender die Entscheidung des Landesvorstands. „Seit vielen Jahren arbeitet er an Klima- und Umweltthemen und hat sich ein Riesenwissen angeeignet. Er arbeitet nicht nur im Hörfunk, sondern ist auch als Fach-Kommentator in den ,Tagesthemen‘ zu Gast. Mit seinem Podcast ,Klimazentrale‘, den er mit Tobias Koch erstellt, schafft er es, Klima- und Umweltthemen für ein großes Publikum spannend und interessant zu machen.“

Werner Eckert, der auf einem Bauernhof bei Mainz aufgewachsen ist, beschäftigt sich schon seit den 1980er-Jahren mit Umweltthemen, als er als „Landfunk-Redakteur“ für den Südwestfunk unterwegs war. Seit 1998 leitet der heute 60-Jährige beim SWR die Redaktion „Umwelt und Ernährung” in Mainz.

Politik soll Rahmenbedingungen für Klimaschutz schaffen

„Umweltthemen haben mich schon immer fasziniert. Kein Problem kann isoliert betrachtet werden, sondern ist immer ein Querschnitt aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Themen betreffen jeden einzelnen“, erklärt Werner Eckert seine Begeisterung und freut sich über die Wertschätzung seiner Arbeit. „Ich bin nicht getrieben von dem Gedanke, Politikern zu sagen, wie sie ihren Job besser machen sollen. Ich sehe meine Arbeit darin, Dinge in Relation zu setzen und zu erklären. Das ist Aufklärung genug. Meine Überzeugungen trage ich nicht wie ein Schild vor mir her.“ Der Preisträger sieht die Politik in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz zu setzen. Er ermuntert jeden einzelnen zu mehr Umweltbewusstsein: „Jede noch so kleine Anstrengung nutzt etwas.“

Werner Eckert wurde 1959 bei Mainz geboren. Nach dem Studium der Publizistik, Geschichte und Soziologie stieg der Journalist 1984 beim SWF ein und entdeckte die Themen Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung für sich. Mittlerweile hat er von mehr als 20 UN-Klimakonferenzen berichtet. Zusammen mit dem Umweltökonomen Tobias Koch startete er im August vergangenen Jahres den Podcast „Klimazentrale“, in dem die beiden über aktuelle Klima- und Umweltthemen sprechen. In seiner Heimatgemeinde ist er im Naturschutz aktiv.

Ein bundesweit hörbarer Paukenschlag

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren vergibt der Landesvorstand des BUND den Preis dieses Mal sogar an zwei Organisationen beziehungsweise Personen:

„Ihr habt in den vergangenen zwölf Monaten sehr, sehr viel erreicht“, spricht Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, der Fridays for Future-Gruppe Konstanz ihren Respekt aus. „Durch eure Aktionen habt ihr den Klimawandel ins öffentliche Bewusstsein gebracht. In Gesprächen, mit euren freitäglichen Demos und mit Mahnwachen habt ihr Druck auf die Politiker in Konstanz ausgeübt, die in Folge als erste Kommune in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen haben. Das war ein bundesweit hörbarer Paukenschlag. Nun muss jede Entscheidung, die im Gemeinderat getroffen wird, auf ihre Klimarelevanz geprüft werden. Nicht nur die Konstanzer haben euch sehr viel zu verdanken.“

„Wir freuen uns total über den Preis“, erklärt die 15-jährige Frida stellvertretend für die FFF-Gruppe Konstanz. „Wir erleben oft Unterstützung vom BUND Baden-Württemberg. Und sind sehr froh darüber.“

Keine Zeit für Entspannung

Ausruhen wird sich die Gruppe auf dem Preis nicht, wie die Zehntklässlerin die Ziele für 2020 beschreibt: „So sehr wir uns über die Entscheidung zum Klimanotstand gefreut haben, so wenig hat Konstanz bis jetzt getan. Der Klimaschutzbericht wird Ende Januar zwei Monate zu spät kommen. Das zeigt das Gesamtproblem unserer Politik. Es ist weder auf kommunaler noch auf Landes- oder Bundesebene angekommen, wie dringlich das Klimaproblem ist und um wie viel es geht. Wir brauchen gesellschaftliche Bündnisse, um Druck aufzubauen. Wissenschaftliche Erkenntnisse scheinen nicht zu reichen. Wir wünschen uns, dass Konstanz nächstes Jahr beschließt, bis 2030 klimaneutral zu sein.“

FFF-Konstanz trifft sich seit Januar 2019. Einen Monat später organisierten die Mitglieder die erste Demonstration für Klimaschutz. Am 20. September versammelten sich dann 10.000 Demonstrantinnen zum weltweiten Klima-Aktionstag der Fridays for Future-Bewegung in der 86.000 Einwohner-Gemeinde. Das Konstanzer Kernteam umfasst etwa 20 Schülerinnen, Studierende, Erwerbstätige und Rentner*innen. Der BUND unterstützt die Gruppe, in dem er unter anderem Räume und Materialien zur Verfügung stellt.

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