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"Goldstandard" Herztransplantation

Wo steht die Herztransplantation 40 Jahre nach dem ersten Erfolg?

Die erste erfolgreiche Herztransplantation am Menschen liegt rund 40 Jahre zurück. Christiaan Barnard erregte im Dezember 1967 weltweit Aufsehen mit seinem damals kaum fassbaren Erfolg in der Transplantationschirurgie. Die erste Euphorie flaute jedoch bereits nach kurzer Zeit ab, da zahlreiche schwere Probleme, vor allem der Immunsuppression, nur kurzfristige Erfolge bescherten.

Als vor 20 Jahren Prof. Dr. Dietrich Birnbaum am Herz-Zentrum Bad Krozingen die erste erfolgreiche Herztransplantation durchführte, erregte dies zwar kein weltweites Aufsehen. Es war jedoch der Startschuss für eine bis heute erfolgreiche Ära der Herztransplantation in Baden-Württemberg. Das Universitäre Herz-Kreislauf Zentrum Freiburg – Bad Krozingen gibt im Rahmen seines Kongresses „40 Jahre Herztransplantation“ am 16. März 2007 einen aktuellen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen der heutigen Herztransplantation.

Den großen Durchbruch im Bereich der Transplantation bereitete die Entdeckung des Cyclosporins in den frühen achtziger Jahren. Mit diesem Medikament gelingt es auch heute noch gut, die Immunabwehr, die das fremde Organ im Körper des Empfängers auslöst, „in Schach zu halten“. Die Herztransplantation gilt heute als „Goldstandard“ für Patienten mit einer so genannten schweren Herzinsuffizienz, bei denen die Herzleistung so weit herabgesetzt ist, dass sie nicht mehr ausreicht, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Der Eingriff ist zwar schwierig und sehr komplex, die Herztransplantation gehört dennoch heute für die Experten schon fast zur Routine und ist mit einem einschätzbaren Risiko verbunden.

Am Universitätsklinikum Freiburg hat Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor der Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie, im Jahr 1994 die erste erfolgreiche Herztransplantation durchgeführt. Der Patient, der heute 68-jährige Günter Schulz, erfreut sich guter Gesundheit und verdankt sein Leben der vergangenen 13 Jahre dem anonymen Spender seines Herzens. Seit 1994 wurden in der Herzchirurgie am Universitätsklinikum 163 Herztransplantationen erfolgreich durchgeführt.

Die Operationstechnik bei der Herztransplantation hat sich in den vergangenen 40 Jahren weiterentwickelt. So wird heute hauptsächlich die direkte Verbindung der beiden oberen und unteren Hohlvenen angewandt (bicavale Anastomosierung).

Die Prognose nach der Herztransplantation hat sich über die Jahre kontinuierlich verbessert. Ein Jahr nach dem Eingriff leben heute rund 80 Prozent, nach zehn Jahren 50 bis 60 Prozent der Patienten mit einem fremden Herzen. Nach der Herztransplantationen müssen die Patienten regelmäßig untersucht werden, um eventuelle Probleme frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dr. Torsten Klaus, Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Angiologie, betreut die Patienten in der so genannten HTX-Ambulanz sowohl vor als auch nach der Transplantation: "Zu dem langfristigen Erfolg, den wir heute in der Herztransplantation erzielen, tragen insbesondere die Fortschritte in der immunsuppressiven Therapie sowie in der Therapie von viralen und bakteriellen Infekten bei."
Auch die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit von herztransplantierten Patienten sind sehr gut. Nationale sportliche Wettkämpfe sowie Europa- und Weltmeisterschaften von Transplantierten zeugen von der wieder gewonnen körperlichen Leistungsfähigkeit von vormals schwer herzkranken Menschen. Untersuchungen belegen, dass sich 80 bis 90 Prozent der Patienten nach einer Herztransplantation in ihrer Lebensqualität kaum eingeschränkt fühlen. "Dazu trägt auch bei, dass die Todesangst, von der schwer Herzkranke stets begleitet sind, verschwunden ist. Die körperliche Erholung der Patienten wird von der seelischen Erholung begleitet und unterstützt", so Dr. Wolfgang Zeh vom Herz-Zentrum Bad Krozingen.

Das größte Problem der gesamten Transplantationsmedizin ist der Mangel an Organspendern. Der Bedarf ist rund doppelt so hoch wie das "Angebot". Herzkranke Patienten, die eine Transplantation brauchen, müssen zwei bis vier Jahre auf ein Spenderorgan warten. Für rund 20 bis 30 Prozent der Patienten kommt die Hilfe zu spät.

Wird die Zeit knapp, kann der Kreislauf im Einzelfall mit einem Herzunterstützungssystem, einem so genannten Kunstherzen, aufrechterhalten werden, um die Zeit zu überbrücken, bis ein Spenderherz zur Verfügung steht. Die Freiburger Herzchirurgie ist auch das Zentrum für die Kunstherztransplantation in Baden-Württemberg. Prof. Beyersdorf:  "Wir konnten bisher bei 48 Patienten mit Erfolg die Zeit bis zur Herztransplantation mit einem Herzunterstützungssystem überbrücken, auch über einen längeren Zeitraum von bis zu 16 Monaten. Eine Lösung auf Dauer kann das System aber nicht sein. Kein Kunstherz kann ein Spenderherz ersetzen."

Bleibt zu hoffen, dass die in den vergangenen Jahren stark rückläufige Zahl der Herztransplantationen aufgrund der geringen Spendewilligkeit in Deutschland, in den nächsten Jahren wieder gesteigert werden kann. "Wer einmal das glückliche Schicksal eines erfolgreich Transplantierten verfolgen konnte, wird keine Zweifel mehr haben", so Dr. Zeh.

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